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    Rallye Monte Carlo Historique – Teil 6 – Drama

    Von Administrator | 23. 02. 2022

    Es ist Dienstagmorgen, heute geht es zurück nach Monaco, drei Prüfungen unterwegs, St. Nazaire, Sisteron und die steile Serpentinenabfahrt nach Entreveaux. Tolle Strecken, es wird bestimmt lustig. Wurde es auch.

    Und spät am Abend dann der Start zur Krönung der Monte, die Nacht der langen Messer rund um den Col de Turini. Wurde auch lustig. Nicht.

    Nach drei Nächten endlich raus aus dem schlechtesten Hotel, in dem ich jemals gewesen bin. Leute, laßt die Finger vom Hotel de Lyon, es stinkt einfach. Da war das Négociants nebenan deutlich besser, und das will schon was heißen. Aber jetzt winkten zwei Nächte im Monte Carlo Bay Hotel in Monaco – eine andere Welt.

    Es ging noch eine Stunde früher am Morgen als gestern los, wir hatten einen langen Tag und eine lange Nacht vor uns. Mit passendem Sweater.

    Der erste echte Klassiker heute war die gut 30km lange WP13 mit Start bei St-Nazaire-le-Désert über Volvent und den Col de Roustans, aber dann nicht links nach La Motte Chalancon durch die schönen Bergtunnel sondern rechts über den Col de la Croix und den Col de Chamauche auf die Route de Trémouret. Bei Schnee die Wilde Maus, trocken bei Sonne die ersten zwei Drittel gut fahrbar, das letzte Drittel auch für einen guten Fahrer durchaus anspruchsvoll.

    Es lief soweit ganz gut bis wir plötzlich an einer ganz engen Stelle zwei Autos parallel auf der Straße hatten, einer war vom ACM. Der war leider zu breit, um an dem links geparkten Notarzt vorbei fahren zu können, fuhr aber auch nicht zurück als wir hinter ihm waren und mächtig Rabatz machten. Das war mir völlig unverständlich und es dauerte 35 Sekunden, bis wir endlich vorbei konnten.

    Jetzt folgte der wildeste Ritt, den ich auf der Monte jemals mitgemacht habe und ich kann sagen, daß Christian sehr genau weiß, was er tut und was er kann. Und das ist eine ganze Menge. In den wilden Serpentinen auf 4 Kilomentern diese 35 Sekunden wieder aufzuholen war ein Meisterstück. Ich habe nur noch die Kehren angesagt, den Rest sind wir einfach voll gefahren. Am Ende hatten wir 410 Punkte eingefahren, 310 mehr, als der Beste. Sehr ärgerlich, statt aufzuholen hatten wir Plätze verloren.

    Mund abputzen, weiterfahren, 100km bis Sisteron zur WP14 nach Thoard, 36km lang. Es lief perfekt, nur 70 Punkte, 6. Platz in der WP, 2 Positionen gut gemacht. Dachten wir. Dummerweise waren wir einer von 67 Teilnehmern, die in Saint Geniez etwas zu schnell waren.

    Der ACM hat in diesem Jahr nicht wie sonst ein oder zweimal auf Verbindungsetappen sondern täglich zweimal in den WPs die Höchstgeschwindigkeit kontrolliert. In der Regel in 30er Zonen, in denen eh keine Zeitmessung stattfindet und man dann einen ganzen Kilometer Zeit hat, den Rückstand wieder einzufahren. Alles also kein Problem.

    Zu diesem Zeitpunkt hatten schon SEHR viele Teams mindestens eine Strafe kassiert, wir hatten eine weiße Weste. Aber in Saint Geniez hat es uns dann doch erwischt. 1 km/h über der Toleranz brachten 500 Punkte und kosteten 10 Plätze. Damit war unser Ziel, in den Top 20 zu landen, in SEHR weite Ferne gerückt. Aber es gab ja noch den Turini, da wird in der Regel nochmal mächtig gemischt. War auch so …

    Hier ein Video der einzigen eisigen Stelle auf der WP 14, bei 1:44 kommen wir.

    80km weiter wartete die letzte WP vor der Nacht, die 15 mit der kehrenreichen Abfahrt nach Entreveaux. Bis auf die Kehren ganz entspannt, allerdings hatte es die letzte Kehre vor dem Ziel in sich, wie man auf dem Video ab 0:35 sieht. In der Ecke hatten auch ein paar andere Probleme. Es war halt super rutschig.

    Zum Glück war die letzte Messung ein paar hundert Meter vorher, also keine Strafzeit, nur ein kaputter Zusatzscheinwerfer. Aber den hat Andy dann kurz vor der Zeitkontrolle in La Turbie noch schnell getauscht. Nachts braucht man am Turini den vollen Tannenbaum.

    Wieder nur 70 Punkte auf der WP, wieder der 6. Platz, wieder etwas Boden gut gemacht.

    Wir hatten noch viel Zeit bis zur Zeitkontrolle, daher ein Zwischenservice für Fahrer und Beifahrer in südfranzösischer Sonne mit jeweils ein bis zwei Espressi.

    Bei strahlendem Sonnenschein dann über La Turbie nach Monaco.

    Im Hafen dann wieder artig anstellen, pünktlich auf die Bühne fahren, Auto im Parc Fermé abstellen, etwas mit den Konkurrenz plaudern (links ist Julien, der Fahrer des R5, mit dem wir im Schnee steckten), dann langsam Richtung Hotel und frisch machen für die Nacht.

    Ein paar Stunden später wieder zurück im Hafen und auf zum Turini.

    Ab jetzt Start im 30 Sekundenabstand und raus aus der Stadt Richtung Sospel. Durch den Tunnel und kurz danach Start der WP16 Richtung Col de Turini und La Bollène Vesubie. Wer die Straße schon mal hochgefahren ist, kann sich vorstellen, wie das bei Schnee abgeht. 2018 hatten wir mächtig Schnee, das hat einen Mordsspaß gemacht und wir sind damals noch weit nach vorne gefahren. 2022 war es auch hier komplett trocken, kein Schnee, keine Eisplatten, nix. Also volles Rohr da hoch, dann klappt es auch mit dem Schnitt.

    Und so lief es auch perfekt bis zur vorletzten Kehre vorm Turini. Plötzlich wieder lautes Knallen, aber diesmal nicht hinten rechts sondern in der Mitte aus dem Kardantunnel. Das war jetzt nichts, was sich mal schnell erledigen ließ. Wir vermuteten das Mittellager der Welle, auf jeden Fall war uns sofort klar, daß es das jetzt war.

    Ab dem Turini ging es nur noch bergab, da konnten wir noch halbwegs im Schnitt bleiben. 170 Punkte bedeuteten immerhin noch Platz 20 in der WP, wobei 80 Punkte alleine auf die Abfahrt vom Turini gingen.

    Kurzer Check mit dem Service in Lantosque, das Lager schien es nicht zu sein, allerdings knallte es bei jedem heftigen Lastwechsel. Es gab jetzt zwei Möglichkeiten: entweder wir fahren die WP 17 von Loda die enge Straße hoch zum Col Saint-Roch und wieder runter nach Coaraze, kassieren 2.000 Strafpunkte, weil wir waidwund da hoch fahren müssen, oder wir verzichten auf die WP und fahren außen rum durch die Täler von Vesubie und Var nach Nizza und von dort über die Autobahn nach Monaco. Das kostet allerdings 30.000 Punkte und die Teamwertung.

    Die Entscheidung fiel uns nicht schwer. Die WP auf dieser sehr engen Straße zu fahren, hätte die nachfolgenden Autos stark behindert, da es fast keine Überholmöglichkeiten gibt. Das hielten wir beide für extrem unsportlich und daher lautete der Beschluß: außen rum, keinen behindern und das Auto schonen, wir wußten ja noch nicht genau, was wirklich kaputt war. Außerdem ist es am Ende wurscht, ob Du 80. oder 150. wirst, unser Ziel konnten wir eh nicht mehr erreichen.

    Wir waren dann tatsächlich um kurz nach Zwölf die ersten im Hafen und haben die Offiziellen geweckt, die noch gar nicht mit uns rechneten. Der Datsun stand dann erstmal ganz alleine im Hafen.

    Aber wir haben die Rallye in Wertung beendet (156. Platz), die Plakette und den Whiskey verdient.

    Dann kam noch Géry Mestre vorbei, und wir hatten viel Zeit, um über die möglichen Veränderungen für die nächsten historischen Rallyes zu plaudern. Ich bin gespannt, was er aus dem Gespräch mitnimmt.

    Whiskey gab es dann natürlich auch für unseren Service, Andy und Peter (und auch Mike) haben sich wirklich ein Bein ausgerissen, damit wir (und die anderen aus unserem Team ebenso) die Rallye auch wirklich gut fahren können.

    Jungs, vielen Dank!

    Dann trafen alle anderen ein, die Belgier im 911er mit der 45 hatten gewonnen, aber bei uns (Classica Rallye Team Salzburg) gab es mehr Wein, Schampus, Wurst, Käse und Brot als bei allen anderen. Wir hatten dann doch viele Besucher.

    Das Team wurde am Ende Sechster, unsere Besten wurden Michael Bruns und Günter Meierer im Falcon auf Platz 14, sie hatten auch das schönste Bild.

    Und ich habe es mit der Schneeschaufel (ab 9:00) sogar in den offiziellen ACM-Film geschafft.

    P.S.: der Übeltäter am Turini war die vordere Halterung des Heckdifferentials. Die brach und damit wurde das Differential bei jedem heftigen Lastwechsel nach oben bewegt und die Kardanwelle knallte an den Tunnel. Ein Spanngurt half dann, daß das Auto gemütlich und heile wieder nach Hause fahren konnte.

    Kategorien: Datsun, Monte Carlo, Rallye Monte Carlo | 4 Kommentare »

    4 Kommentare zu “Rallye Monte Carlo Historique – Teil 6 – Drama”

    1. Christof Schirra schreibt:
      24. 02. 2022 um 9:57

      Danke Jens! Großer Spaß deinen Beitrag zu lesen – bitte öfter!

    2. Detlef Burghammer schreibt:
      26. 02. 2022 um 23:01

      Hi Jens, danke für diesen unterhaltsamen Beitrag, ihr seit echte Sportsmänner, ich bemühe mich etwas ähnliches zu schreiben von der diesjährigen Costa Brava.

    3. Administrator schreibt:
      28. 02. 2022 um 11:07

      Danke für die Blumen, Detlef.

      Der Blog steht Dir zur Verfügung. Schreib ein paar Sätze und bring schöne Bilder mit.

      Achs- und Speichenbruch.

    4. Michael Müller schreibt:
      31. 03. 2022 um 17:02

      Mit einiger Verspätung kam ich erst jetzt dazu deinen spannenden Bericht zu lesen. That’s rally, kann man da nur sagen, da war einges an Pech dabei aber immerhin ins Ziel gekommen.

    Kommentare