Letzte Themen

Flagge zeigen!!

  • Valid XHTML 1.0!
  • Valid XHTML 1.0!
  • Valid XHTML 1.0!
  • Valid XHTML 1.0!
  • Valid XHTML 1.0!
  • Valid XHTML 1.0!
  • Valid XHTML 1.0!
  • Valid XHTML 1.0!
  • Archiv

    Kategorien


    « | Aktuell | »

    HXDF

    Von Administrator | 24. 12. 2018

    z24

    Vierundzwanzigster Dezember, vierundzwanzigstes Türchen

    Ein etwas längerer Text zum Abschluß des diesjährigen Atzwentzkalendas.

    Constellation_Fornax,_EXtreme_Deep_Field

    Das mit dem Glauben ist ja so eine Sache, der man sich besonders in der Weihnachtszeit (wenn man nicht nur Geschenkekaufen im Fokus hat) kaum entziehen kann. Neben der christlichen haben auch viele andere Religionen eine ihnen eigene Vorstellung von der Schöpfung oder anders ausgedrückt: der Erschaffung der Welt.

    Nun kann man sich zunächst fragen, was für die jeweilige Religion denn die „Welt“ ist. Auch Philosophen haben sich darüber die Köpfe zerbrochen, bis hin zu Ludwig Wittgenstein in seinem Tractatus logico-philosophicus („1 Die Welt ist alles, was der Fall ist“). Wenn man dann abends in den Himmel schaut, dann sieht man ziemlich viel, was der Fall ist. Und das Tolle daran ist, daß wir dabei mitten in einer Zeitmaschine stehen.

    Das Licht hat eine endliche Geschwindigkeit (etwa 300.000 Kilometer pro Sekunde), d.h. es braucht eine gewisse Zeit, um vom Punkt seiner Entstehung zu unseren Augen zu gelangen. Je weiter dieser Punkt entfernt ist, desto länger braucht das Licht. Vom Mond (etwa 385.000 km entfernt) etwa 1,3 Sekunden, von der Sonne (knapp 150 Millionen km) schon etwas länger, nämlich 8 Minuten und 19 Sekunden.

    Der nächste Stern, Proxima Centauri, ist etwa 40 Trillionen km entfernt, das Licht braucht gut 4,2 Jahre, um bis zu uns zu gelangen. Jeder andere Stern ist weiter entfernt, das Licht braucht also noch länger. Das bedeutet also, daß wir jeden einzelnen Stern am Himmel zu einer unterschiedlichen Zeit sehen, nämlich in dem Zustand, in dem er war, als das Licht ausgesendet wurde, das uns nun erreicht. Sirius, der hellste Stern, ist 8,6 Lichtjahre entfernt, die Wega 25,3 Lichtjahre, Rigel, der hellste Stern im Orion 770 Lichtjahre. Wir sehen Rigel heute so, wie er vor 770 Jahren tatsächlich ausgesehen hat. Ob er gerade eben explodiert ist, werden wir also erst in 770 Jahren erfahren.

    Orion

    Rigel (im Orion der Helle unten rechts) befindet sich mit deutlich über 100 Milliarden anderen Sternen in unserer Galaxie, der Milchstraße. Diese hat als etwa durchschnittlich große Galaxie einen Durchmesser von gut 125.000 Lichtjahren.

    Milky Way

    Die nächste Galaxie ist der Andromedanebel, etwa 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt und ein wenig größer als die Milchstraße. Sie ist das fernste Objekt, daß mit bloßem Auge gesehen werden kann. Aufgrund ihres Durchmessers von 140.000 Lichtjahren beträgt der zeitliche Sichtbarkeitsunterschied zwischen vorderem und hinterem Rand dieser Galaxie genau diese 140.000 Jahre.

    Andromeda_Galaxy_(with_h-alpha)

    Galaxien gibt es auch eine ganze Menge, angeordnet in Haufen mit über tausend Galaxien. Jetzt wird es so langsam unübersichtlich und ziemlich unvorstellbar. Denn diese Haufen sind offensichtlich auch noch irgendwie untereinander verbunden.

    Das Weltraumteleskop Hubble hat in den Jahrzehnten seines Einsatzes immer mal wieder komplett dunkle Bereiche des Himmels untesucht, möglichst in einer Sichtlinie ohne irgendwelche Sterne unserer eigenen Galaxie. Diese wurden dann mehrere Wochen belichtet. Und egal wohin es ausgerichtet wurde – überall Galaxien.

    Die letzte dieser Aufnahmen ist das Hubble Extreme Deep Field (HXDF), 23 Tage belichtet. Und hier sieht man jetzt etwa 5.500 Galaxien in einer Entfernung von bis zu 13,2 Milliarden Lichtjahren, also so, wie sie etwa 450 Millionen Jahre nach dem Urknall ausgesehen haben, sozusagen kurz nach der Schöpfung. Was für ein Blick zurück in die Zeit. Alle träumen von einer Zeitmaschine – schaut in den Himmel und ihr seht sie.

    Inwieweit sich Religionen mit diesem Bild anfreunden können, weiß ich nicht. Für mich ist es die unglaublichste Photographie überhaupt.

    Das HXDF-Bild ist ganz am Anfang des Textes zu sehen. Jeder kleine Punkt eine Galaxie.

    Frohe Weihnachten.

    Kategorien: Atzwentzkalenda, Off Topic | 2 Kommentare »

    2 Kommentare zu “HXDF”

    1. Stefan R. schreibt:
      24. 12. 2018 um 9:07

      Hallo Jens,
      als Freund des nächtlichen Himmels finde ich diesen Beitrag super.
      Die Größenverhältnisse sind immer wieder unglaublich!
      Die Lichtstrahlen auf den Bildern sind 13,2Milliarden Jahre unterwegs gewesen, um als kleiner Lichtpunkt auf einem Bild zu landen.
      Jeder Punkt eine Sonne oder gar eine ganze Galaxie, wahrscheinlich umringt von Exoplaneten, die sich leider unserer Beobachtung noch entziehen.
      Wo wir am Himmel auch hinblicken überall sehen wir Galaxien und Sterne.
      Und dennoch sind wir als Menschheit derart anmaßend zu behaupten wir wären die Krone der Schöpfung.

      Wer die tollen Bilder von Hubble gerne in gedruckter Form in der Hand halten möchte, dem empfehle ich:
      Expanding Universe. Photographs from the Hubble Space Telescope
      Eine Sammlung atemberaubender Aufnahmen.

      Eine weitere, wunderbar verrückte, Tatsache:
      In unserem Sonnensystem gibts es einen Planeten der aktuell nur von Robotern bewohnt ist.

      Ich wünsche Dir, Deiner Familie und allen Lesern deines Blogs, egal welchen Glaubens oder Herkunft, schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

      Stefan R.

    2. Martina & Magnus schreibt:
      24. 12. 2018 um 15:24

      ein schöner und einfallsreicher Adventskalender
      war das wieder in 2018 …
      das allmorgendliche Highlight…

      Danke dafür, ein Frohes Fest
      und einen Guten Rutsch ins 2019

      PS: einen nächtlichen Sternenhimmel
      genießen wir auch oft und gerne,
      allerdings ohne den astrologischen backround…
      da haben wir wohl bei Raumschiff Enterprise
      in unserer Jugend den Anschluss verpasst 😉

    Kommentare